Textilien und deren Herstellung sowie Inhaltsstoffe geraten immer wieder ins Blickfeld der Medien. Sei es wegen der Gesundheitsschädlichkeit der Stoffe, die bei ihrer Herstellung verwendet werden oder auch wegen der extrem schlechten Bedingungen, unter denen die Menschen leiden müssen, die solche Textilien herstellen. Natürlich ist nicht jedes Kleidungsstück automatisch davon betroffen. Als Faustregel kann gelten: je billiger Textilien im Handel erhältlich sind, desto höher ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass Menschen, die ausgebeutet werden, an ihrer Produktion beteiligt waren. Auch billige Trachten sind hiervon natürlich nicht ausgenommen. Neben dem menschen- und arbeitsrechtlichen Aspekt sowie den gesundheitlichen Bedenken haben solche Trachten noch einen weiteren Nachteil. Sie halten bei Weitem nicht so lange, wie Trachten, die unter humanen Bedingungen hergestellt werden. Solche Trachten kosten selbstverständlich etwas mehr, dafür können die an der Produktion beteiligten Arbeitskräfte auch von ihrer Arbeit leben. Trachten, die man mit gutem Gewissen kaufen kann, weil sie eben vom Baumwollfeld bis hin zur Näherei unter anständigen Arbeitsbedingungen entstanden sind, gibt es zum Beispiel bei Trachtenshop.de.
Menschenunwürdige Arbeitsbedingungen in der asiatischen Textilbranche
Wer sich dennoch für den Kauf besonders billiger Dirndl oder Lederhosen entscheidet, sollte immer daran denken, dass diese Kleidungstücke aus asiatischen Textilfabriken stammen. Die dort herrschenden Arbeitsbedingungen sind gelinde ausgedrückt miserabel. Eine Tatsache, die der Politik natürlich nicht verborgen geblieben ist. Allerdings sind die Maßnahmen, die auf europäischer Ebene durchgeführt werden, in der Regel nicht mehr als Stückwerk, wie auch ein schon im September 2005 geschlossener Kompromiss zwischen EU und China zeigt. Die Wirtschaftswoche thematisiert diesen Kompromiss und die Kritik von Menschenrechtsorganistionen daran auf ihrem Internetportal www.wiwo.de und zeigt, dass es letzten Endes doch weniger auf die humanen Produktionsbedingungen sondern vielmehr auf die wirtschaftlichen Interessen der europäischen Textilproduzenten ankommt.
Niedrigste Löhne, keinerlei Sozialstandards und Kinderarbeit
Die Arbeitskräfte, die extrem billige Trachten oder die Stoffe dafür produzieren, erhalten für ihre Arbeit Löhne, von denen sie in der Regel gar nicht oder nur sehr schlecht leben können. Wie in einem Artikel auf www.n-tv.de zu lesen ist, beträgt das monatliche Einkommen eines Textilarbeiters in Bangladesh umgerechnet ungefähr 19 Euro. Daraus ergibt sich ein mittleres Jahreseinkommen von knapp 230 Euro. Zum Vergleich: Das jährliche Durchschnittseinkommen der Bewohner der Hauptstadt Dhaka beträgt fast das Doppelte, nämlich 400 Euro. Die Arbeitszeiten der in der dortigen Textilindustrie beschäftigten Menschen betragen nicht selten fünfzehn Stunden oder mehr am Tag. Sozialstandards gibt es in diesen Ländern nicht. Es gibt keine Krankenversicherung, keine Rentenversicherung und im Allgemeinen keinerlei Arbeitnehmerrechte. Nicht wenige Organisationen sprechen in diesem Zusammenhang von Sklaverei oder zumindest sklavenähnlichen Zuständen, denn nicht immer arbeiten die Menschen freiwillig in den stickigen Textilfabriken und setzen ihre Gesundheit aufs Spiel. Das gilt insbesondere auch für die Kinder, die Lederhosen, Trachten oder Dirndl nähen müssen, die später zu extremen Billigpreisen angeboten werden. Kinderarbeit ist im Übrigen eines der größten Probleme in der Textilindustrie, da bei der Herstellung von Kleidung auch Chemikalien zum Einsatz kommen, die eine hormonelle Wirkung entfalten, also die Entwicklung der betroffenen Kinder negativ beeinflussen. Auch daran sollte der Käufer denken, wenn er das nächste Mal vor dem Kleiderständer beim Discounter oder Billig-Textilladen steht und sich für Trachten, Dirndl oder Lederhosen interessiert.
Gesundheitsschädliche und giftige Stoffe bei der Textilherstellung
Bei der Herstellung von Textilien kommen teilweise Chemikalien zum Einsatz, die gesundheitsschädlich und sogar extrem giftig sein können. Je billiger ein Kleidungsstück produziert wird, desto höher auch der Anteil des Chemikalieneinsatzes. Hauptleidtragende sind zunächst einmal die Menschen, die unmittelbar an der Herstellung der Stoffe und Textilien beteiligt sind. Aber auch der Käufer eines billigen Dirndls, einer Lederhose aus asiatischer Massenproduktion oder eines Trachtenkleides aus ebensolcher Herstellung, ist betroffen, denn die Kleidungsstücke enthalten noch einen beträchtlichen Teil der bei ihrer Produktion verwendeten Chemikalien. Die Umweltorganisation Greenpeace hat auf ihrer Website www.greenpeace.org eine Liste der elf schädlichsten Chemikalien, die in der Textilproduktion zum Einsatz kommen, veröffentlicht. Beim Durchgehen dieser Liste fällt schnell auf, dass der Einsatz vieler dieser Chemikalien in der EU verboten oder zumindest eingeschränkt ist. Grund hierfür sind die teilweise schwersten Schäden, die diese dem Menschen und der Umwelt zufügen können. Asiatischen Herstellern von billigster Trachtenmode ist dieser Umstand egal. Hauptsache es wird billig produziert. Die Gesundheit der Arbeitnehmer – und offenbar auch die Gesundheit der Konsumenten in Europa – spielt scheinbar keine Rolle. Wer also Wert auf seine Gesundheit legt und für gute und menschenwürdige Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie ist, sollte etwas mehr Geld für seine Trachten ausgeben. Dafür erhält man dann auch ein Dirndl oder eine Lederhose von hochwertiger Qualität und langer Lebensdauer.